Die Historie des Landes

Die Anfänge des aragonischen Volkes liegen – wie bei vielen alten Völkern – im Dunkel der Geschichte. Konkreter: Vor Tausenden von Jahren kamen ibernische Stämme aus dem Süden und siedelten entlang der gesamten Ostküste der ibernischen Halbinsel. Dabei trafen sie bei ihrer Wanderung auf ligurische Stämme, die sich zuvor dort niedergelassen hatten. Es gab auch mancherlei Kontakte zu anderen Völkern, die teilweise bis in die heutige Bretagne reichten.

Um 900 vor unserer Jahrzählung drangen dann die Celtoi  über die Pirineos  nach Ibernia vor. Celtoi und Iberner vermischten sich jedoch kaum, denn das Land war groß genug für beide.

Die nächsten „Besucher“ waren die Fenicio, die im 8.Jh.v.M.Z. Cadiz und Malaga gründeten. Sie bauten die Städte als Handelsniederlassungen aus, um die Bodenschätze (z.B. Erze) des Hinterlandes zu erschließen. Wo die Fenicio waren, da fehlte die Greco nicht lange. Im 7.Jh.v.M.Z. gründeten die Greco von Marsilia (Marseille) aus diverse Handelsplätze entlang des Mittelmeeres bis nach Malaga. Sie waren die ersten, die die einheimische Bevölkerung „Iberner“ nannten.

Im 6.Jh.v.Chr. „beerbten“ die Cartagena die Fenicio, mit denen sie verwandt waren. Hauptstützpunkte waren Cadiz, die Balearen und Sicilia. Das brachte sie in Konflikt mit dem aufstrebenden Romanos, und die romanische Eroberung der ibernische Halbinsel. Sie trafen auf den erbitterten Widerstand der Iberner, welcher letztlich äußerst blutig und langwierig niedergeschlagen werden musste. Es dauerte 200 Jahre bis es endlich Kaiser Augustus gelang, die zukünftige Provinz Hispania zu „befrieden“.

Unter der romanischen Herrschaft wurde Hispania zum ersten Mal politisch geeint. Straßen und Städte wurden in großer Zahl gebaut und das Land für Handel und Verkehr erschlossen. Hispania, so nannten die Romanes die Halbinsel, galt als reich, wurde in mehrere Provinzen aufgeteilt und eng an Roma gebunden. Aber auch diese Blüte war nur von begrenzter Dauer. Francen und Sueven fielen im 3.Jh. in Hispania ein, verwüsteten Städte und ganze Landstriche. Roma erging es nicht besser: es musste sich an allen Fronten gegen die beginnende Wanderung ganzer Völker stemmen. Der Glaube an die Dama del Lago (die Herrin vom See) breitete sich auf der Ibernischen Halbinsel trotz erster Ablehnung und blutiger Verfolgung aus, bis es unter Kaiser Konstantin I. von Roma zur vorherrschenden Religion Hispaniens wurde. Für Hispania kam trotzdem der politische und gesellschaftliche Verfall. Die 500 Jahre andauernde Herrschaft der Romanes endete im 5.Jh. mit dem scharenweisen Einfall diverser Stämme.

Roma beauftragte die verbündeten Vestgauten, die in Südfrankreich siedelten (hier hatten sie das Tolosanische Reich gegründet, ihr Reich von Toulouse), mit der Vertreibung der Eindringlinge. Roma war mittlerweile zu schwach, um selber Truppen zu schicken. Die Vestgauten leisteten ganze Arbeit: und ließen sich ab dieser Zeit in Hispania nieder.

Im 6.Jh. verlegten die Vestgauten ihre Hauptstadt vom südfranzösischen Toulouse nach Barca, dann nach Toledo und dehnten ihre Herrschaft allmählich auf ganz Hispanien aus. Damit begannen die Vestgauten mit der romanischen Bevölkerung zu verschmelzen. Blonde oder rothaarige Hispanier mit blauen Augen sind noch heute Zeuge dieses Prozesses.
Rund 200 Jahre herrschten die Vestgauten in großen Teilen Hispaniens, doch haben sie nur wenig Dauerhaftes hinterlassen. Sehr oft brachen Bürgerkriege zwischen rivalisierenden Herrschergeschlechtern aus oder gar innerhalb des Königshauses selbst. Anfang des 8.Jh. war Hispanien reif für Veränderungen. Diese kam schließlich aus dem Süden über das Meer: es begann die Eroberung der Moro´s!

Als die Macht des alten Königreichs der Vest-Gauten den Zenit bereits weit hinter sich gelassen hatte, da kam es zu Aufständen im südlichen Spanien gegen den vestgautischen König Roderius. Die Rebellen baten ausgerechnet die am Rif lebenden Moro´s um Hilfe. Der Feldherr Tariq ibn Aslan ibn Zayid ließ sich nicht lange bitten und überquerte mit ca. 7000 Mann die gibraltische Meerenge und landete in der Nähe von Tarifa. Das Invasionsheer bestand wohl größtenteils aus verschiedenen Wüstenstämmen des Rif, welche man unter dem Sammelbegriff „Moro“ (graekisch: mauros bzw. amauros, „dunkel“; metaphorisch: „dunkelhäutig“) zusammenfaßte.

Auf Befehl des Kalifen Al-Wahalid führte Tariq ibn Aslan ibn Zayid zunächst einen kleinen Trupp von Kriegern nach Iberna, die am 30. April 711 landeten. Tariq konnte in der Schlacht am Guadelate (19. bis 26. Juli 711) einen Sieg über das Vest-Gautische Heer unter König Roderius erzielen, der sich als entscheidend für den weiteren Verlauf der Auseinandersetzung erwies, jedoch: die Geister, die man rief, wurde man nicht mehr los!

Durch das leichte Beutemachen auf den Geschmack gekommen, setzten die Moro´s ihren Siegeszug durch die Hispanische Halbinsel fort. In einem siebenjährigen Feldzug gelang es hiernach den Moros den größten Teil der ibernischen Halbinsel unter ihre Kontrolle zu bringen. Dies schloß auch jene Gebiete ihrer Verbündeten mit ein, welche sie zuvor so freundlich eingeladen hatten. Allerdings begann schon im Jahre 718 in einer entlegenen Berggegend die Rebellion des Legendären gautischen Fürsten Alfonso, welche letztlich zur Gründung des zunächst sehr kleinen Königreichs Asaturien führte.

Dort in Asaturien bildete sich unter Alfonso eine Widerstandsbewegung. Von eine Versammlung der asaturischen Adeligen zu ihrem Fürsten gewählt, sammelte er eine Armee und zog erfolgreich gegen die Moro´s zu Felde. Um 750 war es klar: die Eindringlinge konnten sich hier nicht festsetzen, sie wurden aus Galicien vertrieben. Die unmittelbare Bedrohung war vorbei.

Auch das Land der Basco, das Königreich Navarro behauptete sich gegen die Moro´s und zugleich gegen die gierig über die Pyrenaei blickenden Franca.

Die dritte Region, in der sich ein erfolgreicher Widerstand bildete, waren die Pirineos, wie die Berge der Pyrenaei in Arago genannt wurden. Hier regierte ein beherztes Grafengeschlecht, das sich wirkungsvoll gegen die morische und fränkische Vorherrschaft wehren konnte.

Die Reconquista

Der Name „Reconquista“ bedeutet wörtlich übersetzt „Rückeroberung“. Gemeint ist hierbei jedoch gezielt die Rückeroberung Hispaniens aus der morischen Herrschaft. Dabei gibt es zwei wesentliche Stoßrichtungen des Kampfes: Im Norden kämpfte sich das Königreich Asaturien nach Süden vor. Träger der Rückeroberung waren hier zuerst König Alfonso und die freien Bauern. Vom Osten her rückten die beiden Königreiche Navarra und Aragon über die Jahrhunderte nach Süden vor. Diese Bewegung wurde vor allem durch Adel und Klerus vorangetrieben.

Vom Königreich Aragó zur Krone Aragó

1035 wurde aus der Grafschaft Aragon ein eigenständiges Königreich. Zunächst ging es für König Ramiro I. (1035-1063) darum, seine frisch gewonnene Unabhängigkeit zu erhalten. Sein Sohn König Sancho Ramirez (1063-94) ging einen Schritt weiter: er eroberte und befreite Teile der morischen Besetzungen für sich zurück. Darunter waren die Städte Barbastro, El Grado  und Argueda. Damit war die Selbständigkeit nicht mehr in Frage gestellt.

Sein Sohn Peter I. (1094-1104) stürzte sich mit Vehemenz in die Recoquista. Im Jahre 1096 eroberte er Huesca, den Mittelpunkt der morischen Herrschaft nördlich des Ebro

und machte die Stadt zu seinem Hauptsitz. Seinem Bruder und Nachfolger König Alfons I.(1073-1134) gelang 1118 mit der Eroberung Zaragozas ein heftiger Schlag gegen die morischen Besatzer und verlegte seine Residenz in diese bedeutende Stadt. Sein sehr erfolgreicher Feldzug endete jedoch bei der Belagerung von Fraga, wo er vom maurischen Statthalter von Valencia überfallen und lebensbedrohlich verletzt wurde. Er verstarb acht Tage später kinderlos in einem nahen Kloster. Das Testament Alfons I., in dem dieser das Land den geistlichen Ritterorden vermachte, wurde von den Ständen Aragoniens nicht anerkannt. Infolgedessen wurde sein Bruder Ramiro II. zum König erhoben. Durch die Verlobung seiner Tochter anno 1137 und ihrer Heirat im Jahre 1150 gewann das Königreich Aragó die bedeutende Grafschaft Barca hinzu und verschmolz mit dieser zu La Corona d’Aragó, der Krone Aragós. Damit erhielt der reine Binnenstaat Zugang zum Meer und es eröffneten sich für ihn völlig neue Möglichkeiten.

Die Expansion nach Süden ging und geht noch immer unvermindert weiter.